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Breite Masse sieht Spaß im Vordergrund

Posted by prleichtathletik

 

Bei der zweiten Auflage des DLV-Laufsymposiums am Wochenende in Siegen stand der Austausch zwischen Veranstaltern und Verbandsmitarbeitern im Mittelpunkt. In Vorträgen, Arbeitskreisen und Podiumsdiskussionen wurde unter anderem die Entwicklung von traditionellen Straßenläufen und neuen Eventformen analysiert. Wichtigste Erkenntnis: Bei der breiten Masse der Lauf-Teilnehmer steht nicht mehr der Leistungsgedanke, sondern der Spaß im Vordergrund.

2017 seien bei Läufen in Deutschland schätzungsweise rund 72 Millionen Euro umgesetzt worden, so viel wie nie zuvor, erklärte Konjunkturforscher Prof. Dr. Roland Döhrn gleich zu Beginn des zweitägigen Symposiums. Dass Zeiten und Platzierungen bei Laufveranstaltungen außerhalb des Stadions längst nicht mehr die wichtigste Rolle spielen, belegte der Mit-Organisator des Essen-Marathons mit einer anderen Zahl: „In England ist bei Marathonläufen ein Zielschluss nach acht Stunden ziemlich normal.“ 

Der Kölner Sportwissenschaftler Dr. Dirk Steinbach bestätigte diesen Trend: „Generell messen sich Menschen gerne auch mal, aber nicht mehr regelmäßig, nicht mehr in vorgegebenen Standards und Normen, sondern sie suchen neue Formen, um sich miteinander zu messen“, sagte der frühere Triathlet. „Das muss nicht einer gegen den anderen sein, sondern gemeinsam gegen eine Herausforderung. Die Art, wie man sich messen will, verändert sich also gewaltig. So entwickeln sich immer wieder neue Herausforderungen, immer wieder neue Challenges.“

Entdeckungsläufe im Trend

Diese Entwicklung sei kein Grund zur Resignation, sondern eine Riesenchance insbesondere für kleinere, ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen, die rückläufige Teilnehmerzahlen beklagen, meinte Dr. Steinbach. Wie spaßorientiertes Laufen ohne Zeitnahme geht, präzisierte Frank Lebert, der Geschäftsführer der Deutschen Leichtathletik Marketing GmbH (DLM) am innovativen Konzept „Urban Trail“. Dabei handelt es sich um zehn Kilometer lange Entdeckungsläufe durch Städte wie Dortmund, Oberhausen und Bochum. 

Wie Laufveranstalter das Verlangen nach Vergnügen und entspanntem Miteinander werbewirksam für sich nutzen können, erläuterte Christian Ermert, Chefredakteur der Online-Plattform „laufen.de“ und der Zeitschrift „läuft“. „Wer glücklich ist, postet das. Er stellt Bilder von der Vorbereitung, von der Anreise, vom Event und vom Tag danach ins Netz“, zeigte der Social-Media-Experte eine Möglichkeit der kostenlosen Werbung auf. DLV-Mediendirektor Peter Schmitt erklärte, die digitale Entwicklung werde von Veranstaltern häufig unterschätzt. Ohne großen Aufwand könne via Facebook und Instagram Aufmerksamkeit erzielt werden, auch bei der jungen Zielgruppe. Es gelte crossmediales Denken zu entwickeln.

Verschärfter Datenschutz

Rose Müller, Mit-Organisatorin des renommierten Silvesterlaufes in Bietigheim und zertifizierte Datenschutzbeauftragte, sprach die im Mai 2018 in Kraft tretende europäische Datenschutz-Grundverordnung an und mahnte zum sensiblen Umgang mit personenbezogenen Daten von Veranstaltungsteilnehmern. Wer Fotos und Videos veröffentliche, auf denen Kinder und Zuschauer zu erkennen seien, bewege sich auf ganz dünnem Eis, da hier individuelle Genehmigungen eingeholt werden müssten.

Auch Wolfgang Timm vom Haspa Marathon Hamburg versuchte, die Seminarteilnehmer für soziale Medien zu sensibilisieren, um den direkten Kontakt zu Teilnehmern zu halten. „Wichtig ist, dass wir Emotionen produzieren“, meinte der Referent. Es sei schon lange nicht mehr damit getan nur Start- und Zielbanner aufzustellen. Ein gezieltes Qualitätsmanagement sei wichtiger denn je. Diesbezüglich könne ein von den Laufwarten der Landesverbände erarbeiteter Leitfaden durchaus hilfreich sein. Bezüglich der Außendarstellung habe man in Hamburg gute Erfahrungen mit einer Trainingsberatung für Untrainierte gemacht, um diese methodisch sinnvoll an die Belastung heranzuführen.

Läufe als Stadt-Marketing

Martin Ammermann von der Sportstadt Düsseldorf rückte den Aspekt der Wirtschaftsförderung in den Vordergrund. „Wir betreiben mit Sport Stadt-Marketing, machen also auf sympathische Art auf unsere Stadt aufmerksam“, erklärte der frühere TV-Moderator und nannte exemplarisch die Zahl von mehr als 320 Millionen Fernsehzuschauern, die allein in China die Anfang Juni in Düsseldorf ausgetragene Tischtennis-WM verfolgt hätten. „Davon kommen vielleicht einige in unsere Stadt und lassen Geld dort“, so Martin Ammermann.

Dr. Kristin Behrens, Präsidentin des LV Mecklenburg-Vorpommern und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Rostock, gab den fachlichen Input zum Workshop „Nach dem Lauf ist vor dem Lauf, die Bedeutung der Prävention“. Dabei erinnerte sie an die Zeit, als der Mensch noch Sammler und Jäger war. „Aus dem wilden Tiger von damals ist ein Zootiger geworden“, stellte Kristin Behrens fest. Es gelte zu verdeutlichen, wie ein aktiver Lebensstil durch Laufen die Gesundheit verbessern kann. 

DLV-Vizepräsident Dr. Matthias Reick kündigte an, dass es beim DLV ab 1. Januar 2018 ein eigenständiges Referat „Laufen“ geben werde. Jörg Schlegel, Leiter der ARAG Sportversicherung beim Landessportbund Württemberg, erläuterte den neuen Rahmenvertrag, den der DLV zur Absicherung von Nichtmitgliedern, die an stadionfernen, verbandsgenehmigten Laufveranstaltungen (früher Volksläufe) teilnehmen, abgeschlossen hat.

(Quelle: DLV - Harald Koken)

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