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Marie im DLV-Interview

Posted by prleichtathletik

Die wohl stärkste deutsche Einzel-Leistung bei den U18-Europameisterschaften in Györ (Ungarn) hat Marie Scheppan (LC Cottbus) geboten. Im 400-Meter-Finale lief die 17-Jährige hinter der tschechischen U18-Weltmeisterin Barbora Malikova (52,66 sec) beeindruckende 52,82 Sekunden und nahm damit Platz drei der DLV-Frauen-Bestenliste ein – in diesem jungen Jahrtausend ist noch keine deutsche Jugendliche schneller gewesen. Im Interview spricht die U18-Vize-Europameisterin über die Kraft der Angst vor dem Wettkampf und ihre Zukunft auf der Stadionrunde.

(Bild-Quelle: Kai Peters)

Marie, du bist im Finale der U18-EM über dich hinaus gewachsen und 52,82 Sekunden gerannt. Wie haben sich deine Beine am Tag nach dem Rennen angefühlt?

Marie Scheppan:

Ehrlich gesagt leichter als während der Wettkampf-Tage, da haben sich die Beine sehr schwer angefühlt. Das lag an der Aufregung, die ich gespürt hatte. Dieser Druck und diese Angst müssen bei mir aber so sein, damit ich gut an den Start gehen kann. Dann klappt das schon. 

Lag das auch an der speziellen blauen Startnummer, die du als Europas Jahresbeste in der U18 im Vorfeld, bekommen hast?

Marie Scheppan:

Ich wusste, wie stark die Konkurrenz ist. Ich habe in den Vorläufen gesehen, was die anderen Athletinnen für Zeiten laufen können. Im Finale habe ich mich aber auf mich konzentriert. Ich bin das Rennen langsamer als die anderen angegangen. Da war klar, dass sie zu Beginn weiter vor mir liegen werden. Der Plan war, dass ich dann auf den letzten Metern nochmal alles aus mir raushole. So habe ich die Russin (Olesya Soldatova; 53,09 sec) noch überholt. Dann war ich ganz nah dran an der Tschechin und dachte, ich kann das noch schaffen, aber das Rennen war dafür ein paar Meter zu kurz.

Nach dem Zieleinlauf hast du dich beim Blick auf die Anzeigetafel verschaut und eine "53" vor dem Komma gelesen und erst in der Mixed Zone erfahren, dass es eine 52er-Zeit war. Hat die Medaille in dem Moment sowieso mehr gezählt als die Zeit?

Marie Scheppan:

Es hat schon eine große Bedeutung, den zweiten Platz bei den Europameisterschaften zu belegen. Es war mein erster internationaler Wettkampf, bei dem ich gestartet bin. Das war sehr schön, dass ich eine Medaille gewonnen habe. Im Vorfeld habe ich schon gedacht, dass ich eine Medaille haben will.

Es ist gut, wenn man wie du am Ende noch so viel Stehvermögen hat und einem auf der Zielgeraden nicht die Kraft ausgeht. Deine Ausdauer ist mit einer 800-Meter-Bestzeit von 2:09,68 Minuten, aufgestellt in Pfungstadt, sehr stark. Dein Trainer Rainer Kruk, der auch Constantin Schulz, den U20-EM-Halbfinalisten über 800 Meter von 2017, betreut, war früher Deutscher Vize-Meister über diese Strecke. Inwiefern hat dich das geprägt?

Marie Scheppan:

Ich bin früher nur 800 Meter gelaufen. Dann hatte ich eine Knochenhautentzündung und sollte langsam wieder einsteigen. Also bin ich erstmal nur die 400 Meter gelaufen und das lief im ersten U18-Jahr auch gleich ziemlich gut. Seitdem bin ich die Strecke immer weiter gelaufen. Es hat sich im Finale auch so angefühlt, als wäre noch mehr drin. Ich denke, ich kann noch eine bessere 400-Meter-Zeit rennen. Ich will auch in Zukunft an internationalen Wettbewerben teilnehmen und eine gute Leistung bringen. 

Deine beste Zeit im Jahr 2017 hattest du mit 54,41 Sekunden in Regensburg erzielt. Ein Start beim Europäischen Olympischen Jugendfestival (EYOF) in Györ war dir im letzten Sommer aus gesundheitlichen Gründen noch entgangen, bei der Jugend-DM in Ulm warst du zum Saisonabschluss Zweite geworden. Zwischendrin bist du neben der Stadionrunde aber auch immer wieder die 800 Meter gelaufen. Welche Strecke läufst du lieber, die 400 oder die 800 Meter?

Marie Scheppan:

Wir machen beide Strecken Spaß, weil sie sich unterscheiden: Bei den 400 Metern hat man eine Vorgabe, in welcher Zeit, man die ersten 200 Meter angeht. Auf den 800 Metern hat man dafür eine bestimmte Taktik, nach der man vorgeht. 

Wie sieht deine schulische Situation neben dem Sport aus?

Marie Scheppan:

Ich habe an der Sportschule in Cottbus die Fachoberschulreife erworben und mache jetzt ein freiwilliges soziales Jahr beim Landessportbund. Meine Mutter war auch an der Sportschule und Leichtathletin, Hochsprung und Hürden waren ihre Disziplinen. Mein Vater ist längere Strecken gelaufen, er hat das mehr als Hobby gemacht. Meine Eltern und mein Trainer waren auch in Györ.

Die zweite deutsche 400-Meter-Starterin in Györ Mona Mayer (MTV Ingolstadt 1881) belegte im Finale Platz sieben. Ihre Mutter Ruth Mayer wurde unter ihrem Mädchennamen 'Scheppan' einst U20-Vize-Europameisterin mit der 4x400-Meter-Staffel. Es gibt vermutlich verwandtschaftliche Beziehungennach Cottbus und zu deiner Familie. Wie versteht ihr beiden Athletinnen euch denn?

Marie Scheppan:

Wir verstehen uns super. Klar sind wir im Wettkampf Konkurrentinnen, aber in der Freizeit nicht mehr. Wir hatten bei den U18-Europameisterschaften in der Mannschaftsunterkunft auch ein Zimmer zusammen.

(Quelle: DLV)

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