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Gold vor 40 Jahren

Posted by prleichtathletik

„Das war der Lauf meines Sportlerlebens“, sagt Olaf Beyer. Vor 40 Jahren holte der Potsdamer sensationell Gold über 800 Meter bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Prag.

„1978 bin ich verletzungsfrei durch das Jahr gekommen. Mit Trainingslagern im Irak, Algerien und in Bulgarien konnte ich mich optimal vorbereiten. Kurz vor Prag bin ich in Potsdam zweimal die 400 Meter in 47,5 Sekunden gelaufen. Von daher wusste ich, dass ich in Form bin. Im EM-Finale hatte ich von Anfang an vor, vorn mitzulaufen. Das klappte. Sebastian Coe hat sich gleich an die Spitze gesetzt, lief die ersten 400 Meter in 49,3 Sekunden so schnell wie noch nie an, ich war kurz dahinter. 250 Meter vor dem Ziel kam der zweite Brite, Steve Ovett, an mir vorbei. Aber ich wusste, dass ich im Spurt etwas drauf hatte. Ich musste dann auf die dritte Bahn ausweichen, um auf den letzten 100 Metern freie Fahrt zu haben.“ Wie eine Rakete schoss er auf die Zielgerade. In 1:43,84 Minuten – es blieb seine Bestzeit – verfehlte Beyer mit DDR-Rekord den Weltrekord (1:43,4) nur knapp. Während Ovett fair gratulierte, blieb Coe, der heutige Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, den Handschlag schuldig.

Die Goldmedaille dem Vater geschenkt

„Ich hoffe, wir sehen uns in Berlin bei der EM mal. Denn bisher hat es mit einem persönlichen Treffen nicht geklappt“, hofft Beyer auf eine baldige Begegnung mit dem Rivalen von einst. Dass der Potsdamer die favorisierten britischen Rekordläufer schlug, glich damals einer Sensation.

Erst zwei Jahre zuvor kam Beyer aus seiner Geburtsstadt Grimma, wo er bis dato bei seinem Vater Gunther (83) trainiert hatte, nach dem Abitur mit 19 Jahren zum Armeesportklub nach Potsdam zu Trainer Bernd Dießner. Bereits 1977 durfte Beyer bei Europa- und Weltcup internationale Erfahrungen sammeln. „Zu meiner Zeit hatten wir kaum keine Chance, bei den großen Meetings dabei zu sein. Wir traten meist bei Länderkämpfen an. In meiner Karriere bin ich nur zweimal – in Stockholm und in Zürich – bei internationalen Meetings im westlichen Ausland gestartet“, erzählt der 60-Jährige, der damals seine EM-Goldmedaille ganz bewusst seinem Vater schenkte. Über 1500 Meter belegte Beyer bei seinem zweiten Start bei der EM 1978 Rang neun.

Lehrer und Trainer

Eine große Läuferkarriere schien zu starten und wurde jäh gestoppt. Beim Fußballspielen zog sich Beyer eine Sprunggelenksverletzung zu, musste operiert werden. Aber er kam wieder zurück auf die Laufbahn. „Das Kuriose in meiner Karriere war, dass ich fortan meist in den Jahren zwischen den großen internationalen Meisterschaften die beste Form hatte“, berichtet der Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik. Bei Europa- und Weltcups holte er viele Länderpunkte für die DDR, bei Olympia 1980 in Moskau schied er hingegen im Halbfinale aus. 1981 erreichte er beim Weltcup in Rom mit 3:35,58 Minuten seine Bestzeit über 1500 Meter, auf die er sich nun mehr und mehr konzentrierte.

Jeden Tag ein Sprung in den Heiligen See

Jedoch bei den EM 1982 in Athen musste er nach Platz sieben über 800 Meter plötzlich die Koffer packen, konnte gar nicht mehr über 1500 Meter antreten. „Über meinen Trainer wurde mir mitgeteilt, dass die Delegationsleitung entschieden hatte, mich nach Hause zu schicken, weil ich meinen Leistungsauftag über 800 Meter Platz drei bis sechs nicht erfüllt hatte“, war Beyer konsterniert, den 1984 auch der Olympia-Boykott des Ostens traf. Vier Jahre später beendete er seine Karriere, um nach dem Mauerfall beim SCC in Berlin noch mal einzusteigen. In Mittelstreckenstaffeln und im Crosslauf holte Beyer noch mal Medaillen bei Deutschen Meisterschaften.

1997 gehörte der zweifache Familienvater, der inzwischen stolzer Opa ist, zu den Gründungsmitglieder des Potsdamer Laufclubs, war dort 20 Jahre Sportwart und Trainer. Nebenher blieb er selbst aktiv, startete auch beim Brockenmarathon oder im Triathlon. Im Sommer wie im Winter – „notfalls wird das Eis aufgehackt“ – geht er täglich im Heiligen See schwimmen.

(Quelle: MAZ online, Peter Stein)

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