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Titel, Tränen und Tragödien – Abschied von Antje Möldner-Schmidt

Ewald Walker

Hindernisläuferin Antje Möldner-Schmidt (LC Cottbus) erlebte eine sehr wechselvolle Karriere. Europameisterin 2014, Silber 2012, und davor eine Krebserkrankung, die sie überwinden konnte. „Es ist schwer, vom Leistungssport Abschied zu nehmen“, sagte die 35-Jährige bei ihrer tränenreichen Verabschiedung in der vergangenen Woche in ihrer Heimat Cottbus.

"Nein, ich geb' niemals auf, auch wenn es noch härter kommt." Peter Maffays Song war so etwas wie ein Leitfaden für die Karriere von Antje Möldner, die seit ihrer Hochzeit im Jahr 2011 den Doppelnamen Möldner-Schmidt trägt. „Ich war eigentlich nie verletzungsfrei und musste immer wieder von ganz unten anfangen“, blickte die 35-Jährige bei ihrer emotionalen Verabschiedung vom Leistungssport am vergangenen Mittwoch beim Cottbuser Springer-Meeting im Beisein ihrer kleinen Tochter und ihres Ehemannes auf ihre Karriere zurück. 
 
Schritt für Schritt hatte sich die Läuferin in die internationale Klasse hochgearbeitet, Medaillen und Titel geholt. 2014 im Züricher Letzigrund, dem Leichtathletik-Tempel Europas, als Europameisterin ganz oben auf dem Treppchen stehend, hatte sie ihr Glück gefunden. „Die Hymne und die Flagge, einmal im Leben ganz oben zu stehen – das war's“, sagt sie und spürt diesen Moment heute noch ganz deutlich.

In den Jahren davor hieß es für sie: Tränen, Triumphe und Tragödien. Sie hatte sich auf den Mittelstrecken (1.500 Meter-Bestleistung: 4:08,81 min) national und international etabliert. Weil sie den ganz großen Durchbruch nicht schaffte, startete sie 2008 eine zweite Karriere über die Hindernisse – ein Glücksgriff, wie sich später herausstellte. Die Olympiateilnahme 2008 in Peking (China) und ihr erster von vier deutschen Rekorden sowie der nachträgliche achte Platz bei der Heim-WM 2009 in Berlin waren erste Glanzpunkte.

Niederschmetternde Diagnose

Ein Jahr später dann die niederschmetternde Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Mithilfe der Ärzte, einer Bestrahlungs- und Chemotherapie, vor allem aber auch ihrem familiären und sportlichen Umfeld („Meiner Trainerin Beate Conrad habe ich unheimlich viel zu verdanken, sie hat mir immer den Rücken gestärkt“), überwand sie diese Lebenskrise. Antje Möldner-Schmidt kam ins Leben und auch auf die Laufbahn zurück.

„Der Sport und die Bewegung haben mir sehr geholfen, die schwere Zeit durchzustehen“, sagt sie rückblickend. Bei der Gala „Sportler des Jahres“ erhielt die Hindernisläuferin den mit 40.000 Euro dotierten Preis „Vorbild im Sport“, den sie teilweise an die Kinderkrebshilfe der Deutschen Krebshilfe, an die LG Mittelmark und an den LC Cottbus spendete.

Uli Hobeck holte die Potsdamerin zum LC Cottbus. 2012 in Helsinki (Finnland) gewann sie mit EM-Bronze ihre erste internationale Medaille, die später versilbert wurde. Verletzungsbedingte Unterbrechungen folgten, 2016 wurde sie Mutter. 2018 schaffte sie trotz Fußproblemen als Lokalmatadorin noch einmal die EM-Teilnahme in Berlin. Eine weitere Fuß-OP im letzten Jahr waren das Signal für das Karriereende.

Standing Ovations zum Abschied

„Ich habe Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Antje Möldner-Schmidt, die als Polizeihauptmeisterin auch beruflich Fuß gefasst hat. Sie läuft jetzt Streife durch die Cottbuser Innenstadt. 2.500 Zuschauer haben ihr in ihrer Heimatstadt mit Standing Ovations einen grandiosen Abschied beschert.

„Danke für alles“, sagte eine zu Tränen gerührte Vorzeigesportlerin, die dem großen Cottbuser Hindernistalent Blanka Dörfel in der Lausitz-Arena einen symbolischen Staffelstab überreichte. Sie steht da, wo Antje Möldner-Schmidt vor knapp 20 Jahren auch gestanden hatte.

(Quelle: DLV)

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