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Jürgen Schult wird 60

Posted by buchholz

Diskus-Olympiasieger Jürgen Schult wird 60

Peter Stein (MAZ)

Er ist eine Leichtathletik-Legende. Viermal nahm Jürgen Schult an Olympischen Spielen teil, siebenmal an Weltmeisterschaften. Am Montag feierte der Potsdamer einen runden Geburtstag.

Diesmal kannte er keine Kompromisse, machte gleich mit dem ersten Versuch alles klar. Als Diskuswerfer Jürgen Schult am 1. Oktober 1988 im südkoreanischen Seoul mit 68,82 Meter Olympia-Gold erkämpfte, konnte er nicht ahnen, dass dies eine historische Tat war. Denn er wurde damit der letzte Olympiasieger der DDR, deren Sportler seit 1956 insgesamt 160 Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewannen, allein 1988 waren es 37. „Das ist erst Jahre später mal so publik geworden und seitdem habe ich diesen Beinamen“, meint Schult, der am Montag seinen 60. Geburtstag feiert. Die große Party bleibt wegen der Corona-Einschränkungen aus. Als gebürtiger Mecklenburger – er stammt aus Neuhaus/Elbe, das in der DDR zum Kreis Hagenow gehörte und nach der Wende zum Landkreis Lüneburg kam – lässt er es ohnehin gelassener angehen.

Frei nach dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ hat er es auch im Diskusring in einer langen Karriere weit gebracht. Viermal nahm er an Olympischen Spielen teil, gar siebenmal an Weltmeisterschaften. Er gehörte 20 Jahre lang zur Weltspitze in der olympischsten aller Leichtathletik-Disziplinen, denn Diskuswerfen wurde bereits in der Antike betrieben. Wenn der 1,93 Meter große und 110 Kilo schwere Hüne in den Ring trat, sich die zwei Kilo schwere Scheibe in die rechte Hand legte und mit der anderen noch einmal fast zärtlich darüber strich, ehe er sich im Ring drehte, dann waren das wie in Stein gemeißelte Abläufe, dann wirkte das archaisch.

1974 auf die Sportschule nach Schwerin

Dabei hatte sich Schult anfangs auf vielen sportlichen Feldern wie im Tischtennis, Radsport, Fußball und Rollkunstlaufen ausprobiert. Als es 1974 um die Aufnahme an der Sportschule beim SC Traktor Schwerin ging, wurden dort nur Boxen, Volleyball, Segeln und Leichtathletik angeboten. „Vom Segeln hatte ich keine Ahnung, für Volleyball war ich zu schwer und zum Boxen war ich zu feige, also wurde ich Leichtathlet“, erinnert sich Schult.

Seine olympische Karriere begann 1984 mit dem Boykott des Ostblocks. Vier Jahre später schlug dann für den Weltrekordler – seine 74,08 Meter von 1986 haben noch immer Bestand – und Weltmeister von 1987 die große Stunde in Seoul. „An den Wettkampf selbst habe ich kaum noch Erinnerungen“, gesteht Schult. „Es war eher langweilig, weil ich mit dem ersten Versuch alle geschockt hatte, da kam keiner mehr ran. Wegen der Hitze wurde das auch von Versuch zu Versuch schwerer.“ Die Wärme sorgte dann auch dafür, dass Schult bei der Dopingkontrolle mehrere Stunden zubrachte. „Ich musste literweise Wasser trinken, weil nach dem langen Wettkampf und der Siegerehrung einfach nichts mehr da war.“ Die Warterei bescherte ihm auch eine Begegnung mit Sprint-Star Florence Griffith-Joyner. Die US-Amerikanerin, bereits 1998 verstorben, hatte in Seoul dreimal Gold und einmal Silber gewonnen und wartete nach den abschließenden Staffelrennen ebenfalls bei der Dopingkontrolle. Der Schnappschuss von der zufälligen Begegnung hat bei Schult bis heute einen Ehrenplatz daheim.

Duelle mit Lars Riedel

Dass Schult, der von 1983 bis 1990 achtmal in Folge DDR-Meister im Diskuswerfen wurde, nach der Wende weiter machte, lag auch daran, dass ihm mit dem Sachsen Lars Riedel ein ebenbürtiger und fordernder Konkurrent im nun bundesdeutschen Land erwachsen war. Beide trieben sich zu Höchstleistungen und Erfolgen. Schult, der zuvor in Schwerin von Hermann Brandt betreut wurde, war nun sein eigener Trainer. Das Duell Schult kontra Riedel war in den 1990er Jahren ein Höhepunkt bei jedem Leichtathletik-Meeting. „Im Gegensatz zu heute hatten wir Diskuswerfer auch viele Starts. Allein 1999 war ich bei 33 Wettkämpfen unterwegs“, erinnert sich Schult.

Mit 39 Jahren noch mal WM-Silber

In jenem Jahr war er in Sevilla drauf und dran, seinem Kumpel Riedel nach dessen vier WM-Titeln in Folge noch mal auf den WM-Thron zu folgen. Bis zum fünften Durchgang lag Schult vor Riedel in Führung, ehe der US-Amerikaner Anthony Washington im sechsten und letzten Versuch die beiden Deutschen noch überflügelte. Trotzdem steht für Schult das WM-Silber von 1999 in der eigenen sportlichen Hierarchie gleich hinter dem Olympiasieg. Immerhin war er da schon 39 Jahre alt. Die Olympischen Spiele 2000 in Sydney setzten den Schlusspunkt. Dass es dort nur ein achter Platz wurde, lag an einem Fußball. „Wir haben ja im Training jeden Tag Fußball gespielt. Dabei habe ich mir eine Blockierung im Sprunggelenk zugezogen und konnte acht Wochen lang nicht richtig trainieren. Deshalb war nicht mehr drin“, erzählt Schult, der nach seiner Aktivenlaufbahn 2001 Bundestrainer für die Diskuswerfer wurde.

Seit 2006 arbeitete er am Stützpunkt in Potsdam, wo er sich 2011 im idyllischen Ortsteil Töplitz ein Haus baute. 2018 wurde Schult, der 2013 in Potsdam seine Frau Tanja heiratete, Leichtathletiktrainer an der Bundespolizeisportschule in Kienbaum (Oder-Spree).

(Quelle: www.https://www.sportbuzzer.de/)

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